MS-Bluttest: neuer Test erkennt Erkrankung deutlich früher

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Wissenschaftler der MedUni Wien haben einen Bluttest entwickelt, der das Risiko für Multiple Sklerose Jahre vor dem Auftreten erster Symptome erkennen kann. Die Entdeckung weckt Hoffnung auf eine frühere Intervention und verändert die Debatte über Prävention und Früherkennung bei MS.

Blutmarker liefern Hinweise auf ein erhöhtes MS-Risiko

Der neue Ansatz sucht im Blut gezielt nach Antikörpern gegen ein bestimmtes Protein des Epstein-Barr-Virus (EBV). Diese Antikörper lassen sich lange vor neurologischen Beschwerden nachweisen.

So funktioniert der Test

Im Mittelpunkt steht das EBV-Protein EBNA-1. Nach einer EBV-Infektion bilden viele Menschen Antikörper dagegen. Forschende fanden nun, dass anhaltend hohe Werte über Jahre mit einem späteren MS-Ausbruch verbunden sind.

Der Test identifiziert erhöhte EBNA-1-Antikörperspiegel, die oft Jahre vor der MS-Diagnose messbar sind.

Ergebnisse der Studie: Umfang und Aussagekraft

Für die Entwicklung des Tests analysierten die Forschenden Blutproben von mehr als 700 Patientinnen und Patienten mit MS sowie über 5.000 Kontrollpersonen. Die Daten deuten auf eine klare Assoziation zwischen persistierend hohen EBNA-1-Werten und dem späteren Auftreten von Multiple Sklerose.

  • Studienumfang: >700 MS-Fälle, >5.000 Kontrollen.
  • Kernbefund: Anhaltend erhöhte EBNA-1-Antikörper erhöhen das MS-Risiko.
  • Zeitliche Dimension: Die Antikörper sind oft Jahre vor klinischen Symptomen nachweisbar.

Die Ergebnisse stützen die Theorie, dass das Epstein-Barr-Virus einen zentralen Beitrag zur Entstehung von MS leisten kann.

Für wen ist dieses Screening sinnvoll?

Da fast alle Menschen irgendwann EBV-Kontakt haben, stellt sich die Frage nach der Zielgruppe für einen solchen Test. Die Forscher empfehlen einen fokussierten Einsatz.

  • Personen mit klarer Mononukleose-Symptomatik (Pfeiffersches Drüsenfieber).
  • Patienten mit persistierend erhöhten EBNA-1-Werten ein bis zwei Jahre nach der Infektion.
  • Menschen mit zusätzlichem MS-Risiko oder neurologischen Auffälligkeiten.

Nach Einschätzung der Forschenden trifft das auf nur einen kleinen Anteil der Betroffenen zu. Schätzungen deuten darauf hin, dass etwa fünf Prozent derjenigen mit früher Mononukleose langfristig hohe Antikörperspiegel zeigen.

Bei diesen Personen könnte eine ergänzende MRT-Untersuchung des Gehirns Aufschluss über frühe MS-typische Veränderungen geben.

Früher Therapiebeginn: Chance oder Risiko?

Ein zentrales Thema ist die Frage, ob eine präventive Behandlung vor Symptombeginn sinnvoll ist. Theoretisch könnte ein früher Therapiebeginn den Ausbruch verzögern oder verhindern.

Die Forschenden betonen jedoch, dass diese Annahme noch nicht belegt ist. Große klinische Studien sind nötig, um Nutzen und Risiken abzuwägen.

  • Offene Fragen: Langzeitwirkung, Nebenwirkungen, optimale Therapiedauer.
  • Notwendige Schritte: Randomisierte Studien und Zulassungsprozesse.
  • Regulatorische Hürden und ethische Diskussionen über präventive Therapien.

Aktuell ist der Test noch nicht in der klinischen Routine verfügbar. Weitere Validierungen sind erforderlich, bevor er breit eingesetzt werden kann.

Was als Nächstes zu erwarten ist

Die Forschung will den Prototyp weiter testen und in größeren Kohorten validieren. Parallel sind Untersuchungen nötig, um zu klären, ob durch frühe Therapien tatsächlich MS verhindert werden kann.

Wichtige Schritte für die Zukunft

  • Extern validierte Studien mit diversen Populationen.
  • Langzeitbeobachtungen zur Vorhersagegenauigkeit.
  • Klärung von Leitlinien für gezieltes Screening nach Mononukleose.

Die MedUni Wien sieht in dem Projekt einen möglichen Meilenstein für die präventive Neurologie. Die kommenden Studien werden zeigen, wie schnell und in welchem Umfang der Test in die Praxis übernommen werden kann.

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