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Die Debatte um medizinisches Cannabis gewinnt an Schärfe: Während die mit Cannabis versorgten Patientinnen und Patienten zunehmen, fordern Experten engere Regeln für Verschreibung und Abgabe. Hintergrund sind massive Importzuwächse und Hinweise auf einen Trend zu Privatrezepten per Online-Sprechstunde.
Starker Importanstieg: Fakten und Zahlen
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte registrierte zuletzt einen deutlichen Anstieg bei Cannabisblüten.
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Grippeimpfstoffe 2026/27 bleiben trivalent: was das jetzt bedeutet
- Im zweiten Halbjahr 2024 stieg der Import um rund 170 Prozent im Vergleich zur ersten Jahreshälfte.
- Das bedeutet mehr verfügbare Mengen für medizinische Anwendungen.
- Gleichzeitig bleibt unklar, wie viele der Lieferungen tatsächlich über gesetzliche Kassen abgewickelt werden.
Warum die Versorgungswege unter Beobachtung stehen
Die Anzahl der Verordnungen über die gesetzlichen Krankenkassen wuchs nur moderat.
- Die Zulassungen über gesetzliche Kassen stiegen um etwa 9 Prozent.
- Experten vermuten deshalb, dass viele Patientinnen und Patienten zu Privatrezepten greifen.
- Besonders problematisch: Zahlreiche Online-Anbieter stellen Rezepte nach rein schriftlicher Prüfung aus.
In solchen Fällen füllt die Patientin oder der Patient meist einen Fragebogen aus. Die ärztliche Prüfung findet ohne persönliches Gespräch statt. Das kann die Patientensicherheit beeinträchtigen.
Online-Sprechstunden und Risiken für die Arzneimittelkontrolle
Die Praxis, Cannabisrezepte nach digitaler Kurzprüfung zu vergeben, sorgt für Kritik.
- Ohne persönliches Arztgespräch fehlen wichtige Hinweise für die sichere Anwendung.
- Es besteht ein erhöhtes Risiko für Missbrauch und unkontrollierten Zugang.
- Apotheken können Arzneimittel zwar abgeben, doch ohne Beratung bleibt eine Schutzschicht aus.
Bundeskabinett will Gesetz ändern: Worum es geht
Das Bundeskabinett plant Anpassungen im Medizinal-Cannabisgesetz. Ziel: bessere Kontrollen und mehr Verbraucherschutz.
- Pflicht zum persönlichen Arztgespräch vor Ausstellung eines Rezepts.
- Vorlage: auch Folgeverschreibungen nur nach persönlicher Untersuchung.
- Einlösung der Rezepte nur mit persönlicher Beratung in der Apotheke vor Ort.
- Regelmäßige Überprüfung der medizinischen Notwendigkeit bei Langzeittherapien.
Erwartete Folgen für Patientinnen, Ärzte und Apotheken
Die Maßnahmen verändern Abläufe in Praxis und Apotheke.
- Patientinnen und Patienten müssen mit persönlichen Terminen rechnen.
- Ärzte tragen mehr Verantwortung bei der Indikationsprüfung.
- Apotheken sind stärker in die Beratung eingebunden.
Für einige Betroffene könnten Wege und Wartezeiten zunehmen. Andere sehen darin einen wichtigen Schritt zur Reduktion von Missbrauch.
Was jetzt wichtig ist
- Patienten sollten Nachweise und bisherige Behandlungsunterlagen bereithalten.
- Ärzte müssen ihre Dokumentation und Indikationsprüfung verstärken.
- Apotheken sollten sich auf intensivere Beratungsgespräche einstellen.












