Polio im Abwasser: Alarm vor Rückkehr der Kinderlähmung

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Seit April finden Labore in Stichproben aus städtischen Abwasserkanälen wieder lebende Polioviren. Die Entdeckungen lösen Besorgnis aus und rufen Gesundheitsexperten dazu auf, Impfstatus zu prüfen. Besonders bei jungen Kindern klaffen offenbar große Impflücken.

Ursprung der Viren: Impfstoffstamm oder Einschleppung?

Die nachgewiesenen Erreger gehören zum sogenannten cVDPV2-Typ. Dieser Stamm geht auf abgeschwächte Viren aus der oralen Polioimpfung zurück.

In Deutschland wurde die Schluckimpfung Ende der 1990er Jahre durch eine inaktivierte Impfung ersetzt. Oralstoffe werden aber weiterhin in Teilen Afrikas und Asiens verabreicht.

Laborbefunde allein sagen nicht, wie das Virus in die Kanalisation gelangte. Reisende könnten Träger gewesen sein. Dennoch deutet die Häufung der Funde auf mögliche lokale Übertragungen hin.

Was das für die Gesundheit bedeutet

Personen mit vollständigem Impfschutz erkranken meist nicht schwer. Sie können das Virus aber unbemerkt verbreiten.

Für Ungeimpfte erhöht sich das Risiko deutlich. Polio führt selten zu bleibenden Lähmungen oder zum Tod. Die meisten Infektionen verlaufen jedoch ohne Symptome.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) warnt vor einer möglichen Ausbreitung, solange der Erreger in Abwässern nachweisbar ist.

Wo die Viren gefunden wurden und was die Proben aussagen

  • Dresden
  • München
  • Mainz
  • Stuttgart

Abwasser-Monitoring zeigt Präsenz, nicht die Anzahl Erkrankter. Positive Proben belegen aber, dass das Virus im Umlauf ist.

Die Proben geben keine Auskunft über individuelle Infektionen oder über das Alter der betroffenen Personen.

Wie Polioviren übertragen werden und wer besonders gefährdet ist

Polio verbreitet sich überwiegend fäkal-oral. Das Virus wird über Stuhl auf Oberflächen oder in Wasser weitergegeben.

Da sich das Virus zunächst im Rachen vermehren kann, ist auch eine Tröpfchenübertragung möglich.

Besonders gefährdet sind Ungeimpfte und Menschen mit fehlenden Auffrischungen.

Symptome und mögliche Folgen

  • Viele Infektionen bleiben ohne erkennbare Symptome.
  • In einigen Fällen treten Fieber, Magen-Darm-Beschwerden oder Muskelschmerzen auf.
  • Selten kommt es zu Lähmungen oder lebensbedrohlichen Verläufen.

Impfstatus prüfen: Empfehlungen für Eltern und Erwachsene

Der effektivste Schutz gegen Poliomyelitis ist die vollständige Impfung. Die Ständige Impfkommission empfiehlt Grundimmunisierungen im Säuglingsalter und Auffrischungen.

Aktuelle Punkte, die jetzt wichtig sind:

  1. Impfpass kontrollieren: Prüfen, ob alle Standardimpfungen gegen Polio vollständig sind.
  2. Fehlende Dosen schnell nachholen lassen, vor allem bei Kleinkindern.
  3. Bei Reisen in Länder mit oraler Impfung auf Auffrischungen achten.
  4. Bei Fragen den Haus- oder Kinderarzt kontaktieren.

Warum jetzt besonders bei Kindern handeln

Das RKI meldet erhebliche Lücken bei den Jüngsten. Nur ein kleiner Teil der Einjährigen hat demnach den vollständigen Schutz.

Nur rund 21 Prozent der Einjährigen in Deutschland sollen vollständig geimpft sein. Das erhöht die Gefahr lokaler Ausbrüche.

Kinder im ersten Lebensjahr sind daher eine zentrale Zielgruppe für Nachholimpfungen und Aufklärung.

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