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Schließungen von Apotheken in Thüringen zwingen die Landesapothekerkammer zu einem neuen Umgang mit Bereitschaftsdiensten. Die Kammer hat bereits Maßnahmen vorgestellt, die Planung vereinfachen und die Belastung der verbleibenden Apotheken reduzieren sollen. Leserinnen und Leser erfahren hier, wie die Neuerungen funktionieren und welche Folgen sie vor Ort haben.
Was die Landesapothekerkammer jetzt umsetzt
Die LAKT (Landesapothekerkammer Thüringen) hat zwei Kerninstrumente eingeführt, um die Notdienstversorgung zu stabilisieren. Beide sollen die Dienstplanung flexibler machen und die Zahl der Dienste pro Apotheke senken.
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- Notdienstbörse: Innerhalb eines Notdienstkreises können bis zu 30 Prozent der Dienste abgegeben oder übernommen werden.
- „Richtlinie plus 5 km“: In bestimmten Fällen wird die maximal zulässige Entfernung zur dienstbereiten Apotheke um fünf Kilometer erweitert.
Die Börse bietet zusätzlichen Spielraum, wenn Apotheker die Pauschale für einen Dienst attraktiv finden. Diese Notdienstpauschale lag zuletzt bei rund 550 Euro.
So funktionieren die Modelle konkret
Die praktische Umsetzung variiert stark von Region zu Region. Manche Kreise nutzen die Optionen breit, andere nur punktuell. Beide Maßnahmen können einzeln oder kombiniert angewendet werden.
Anwendungsumfang und Zahlen
- Die Notdienstbörse ist aktuell in neun Notdienstkreisen aktiv.
- Das Modell „Richtlinie plus 5 km“ ist für Apotheken mit etwa drei Diensten im Monat vorgesehen.
- In 17 Notdienstkreisen könnten Apotheken diese Erweiterung nutzen; Anträge gingen bislang aus zwölf Kreisen ein.
Regional unterscheiden sich die Umsetzungsformen. Mancherorts bindet die Option nur eine oder zwei Apotheken zusätzlich ein. In anderen Regionen ersetzt sie komplizierte Verweisregeln.
Regionale Wirkungen: Entlastung und unverhoffte Lücken
Die Maßnahmen zeigen positive Effekte, führen aber auch zu neuen Ungleichgewichten. Manche Gemeinden profitieren, andere müssen umplanen.
- Im Raum Greiz ermöglichte die neue Regel einen Verweis nach Zeulenroda. Damit entfiel der sonst übliche Rückgriff auf Apotheken in Sachsen.
- In Sömmerda sank die Dienstlast deutlich, wodurch Bereiche um Bad Langensalza unterversorgt wirkten.
Einige Zahlen verdeutlichen den Effekt: In Sömmerda ging die Dienstzahl pro Apotheke um etwa zwölf Dienste zurück. In anderen Regionen entsprach die Entlastung etwa einer Woche Notdienst weniger pro Jahr.
Gleichzeitig verhinderte die neue Organisation in Regionen ohne Entlastung einen weiteren Anstieg der Belastung trotz laufender Schließungen.
Kommunikation mit Gemeinden und Öffentlichkeit
Die Kammer hat Bürgermeisterinnen und Bürgermeister informiert und Informationsmaterial bereitgestellt. Ziel ist Transparenz und Abstimmung vor Ort.
- Schreiben an kommunale Vertreter, um die Modellprojekte zu erklären.
- Plakate und Aushänge für Gemeinden und Apotheken als Information für Bürgerinnen und Bürger.
- Angebot für Gespräche zwischen Apothekerinnen und Apotheker und lokalen Entscheidungsträgern.
Online-Information und öffentliche Rückmeldungen
Unter der 2024 gestarteten Seite „lebenszeichen-apotheke.de“ informiert die Kammer über die Notdienstlage. Dort weist sie auf zwei drängende Tatsachen hin:
- Nachts und an Sonn- und Feiertagen sorgen rund 35 Thüringer Apotheken für die Arzneimittelversorgung.
- Die Zahl der Apotheken sinkt; in vielen Orten ist die letzte Versorgungseinrichtung weggefallen.
Auf der Plattform holt die Kammer aktiv Feedback aus der Bevölkerung ein. Nutzerinnen und Nutzer sollen Rückmeldungen geben, wenn längere Wege oder veränderte Dienstzeiten Probleme bereiten.
Einbindung vor Ort und nächste Schritte
Die Kammer setzt auf Dialog: In allen Fällen ist ein persönliches Gesprächsangebot Teil der Maßnahmen. So sollen lokale Besonderheiten berücksichtigt werden.
- Regionale Gespräche zur Feinabstimmung der Dienstplanung.
- Flexible Nutzung der Modelle, um passende Lösungen zu ermöglichen.
- Kontinuierliche Beobachtung der Effekte, um bei Bedarf nachzusteuern.
Die LAKT betont, dass es darum geht, die Arzneimittelversorgung sicherzustellen und gleichzeitig die Belastung der Apotheken zu verringern. Rundwege und verlängerte Fahrten können die Folge sein, werden aber gegen weniger Dienste aufgerechnet.












