Demenz: Gürtelrose-Impfung senkt das Risiko deutlich

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Eine aktuelle Studie rückt die Gürtelrose-Impfung in den Fokus der Demenzforschung. Forschende sehen Hinweise, dass eine Immunisierung gegen Herpes Zoster nicht nur vor schmerzhaften Hautpusteln schützt, sondern auch das Risiko für Demenz verringern kann.

Warum die Impfung gegen Herpes Zoster neu bewertet wird

Gürtelrose tritt häufiger mit steigendem Alter auf. Auch Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind stärker gefährdet.

  • Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Impfung für Risikogruppen ab 18 Jahren.
  • Für Personen ohne Vorerkrankungen rät die Stiko zur Impfung ab 60 Jahren.

Parallel zu diesen Empfehlungen wächst die Zahl der Demenzfälle weltweit. Aktuell leben etwa 55 Millionen Menschen mit einer Demenzdiagnose.

Neue Forschung: Wie die Studie aufgebaut ist

Ein Team um den Epidemiologen Pascal Geldsetzer von der Stanford University untersuchte, ob die Gürtelrose-Impfung Einfluss auf Demenz hat.

Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Cell veröffentlicht. Für die Analyse nutzten die Forschenden ein natürliches Experiment in Wales.

Wesentliche Merkmale der Datengrundlage

  • Datensatz: 304.940 Personen.
  • Geburtsdaten der Teilnehmenden: zwischen dem 1. September 1925 und 1. September 1942.
  • Standort und Stichtag: lebten am 1. September 2013 in Wales.

Der Stichtag legte fest, wer für die Impfkampagne berechtigt war. So entstanden Gruppen, die sich nur um wenige Tage im Geburtsdatum unterschieden.

Auswirkungen bei bereits erkrankten Menschen

Interessanterweise profitierten auch Personen mit bestehender Demenz von der Impfung.

  • Bei bereits diagnostizierten Patientinnen und Patienten verlangsamte sich der Krankheitsverlauf.
  • Die Impfung ging mit einer niedrigeren Gesamtmortalität einher.

Über einen Beobachtungszeitraum von sechs Jahren zeigte sich: Geimpfte gewannen im Schnitt etwa 164 zusätzliche Tage ohne fortschreitende Demenzsymptome oder erlebten einen verlangsamten Verlauf.

Wie stark sinkt das Demenzrisiko?

Die Studie ergab eine deutliche Reduktion neuer Demenzfälle.

  • Über sieben Jahre verhindere die Impfung schätzungsweise eine von fünf neuen Demenzdiagnosen.
  • Das entspricht einer Risikoabnahme von rund 20 Prozent.

Die Forschenden vermuten, dass das Herpes-Zoster-Virus eine Rolle bei Entstehung oder Verschlechterung neurodegenerativer Prozesse spielen könnte. Die Impfung könnte diese Vorgänge unterbrechen.

Zudem fanden die Autorinnen und Autoren Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Die Verringerung der Sterblichkeit war bei Frauen ausgeprägter als bei Männern.

Warum das walisische „natürliche Experiment“ überzeugt

Die Methode eröffnete eine seltene Chance: Vergleichbare Gruppen mit nahezu identischen Merkmalen.

Ein solcher Ansatz liefert Daten, die klinischen Studien ähneln. Er erlaubt robuste Schlussfolgerungen zur Wirkung der Impfung.

  • Vorteil: Minimierung von Verzerrungen durch bekannte demografische Faktoren.
  • Nachteile: Beobachtungsdaten können nicht alle biologischen Mechanismen erklären.

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