E-Rezept treibt Versandapotheken: Bestellungen steigen, Gewinne bleiben aus

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Der Einstieg ins E-Rezept hat Versandapotheken eine neue Tür zum verschreibungspflichtigen Markt geöffnet. Nachdem Jahre der Stagnation vergangen waren, schnellen die Umsätze nach oben. Doch ein genauer Blick in die Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums zeigt: Das Tempo nimmt zuletzt ab.

Starke Zuwächse und die Quartalsentwicklung im Überblick

Die offiziellen KV45-Daten des BMG spiegeln den Aufstieg des Versandhandels seit Einführung des E-Rezepts wider. Die Rx-Umsätze entwickelten sich in den vergangenen Quartalen wie folgt:

  • Q1/24: 114 Mio. Euro
  • Q2/24: 137 Mio. Euro
  • Q3/24: 177 Mio. Euro
  • Q4/24: 230 Mio. Euro
  • Q1/25: 216 Mio. Euro
  • Q2/25: 249 Mio. Euro
  • Q3/25: 267 Mio. Euro

Diese Zahlen zeigen ein rasantes Wachstum nach dem Start, doch wer nur die letzten drei Jahre betrachtet, erkennt eine deutliche Abschwächung.

Jahresvergleich: Wachstumsraten verlieren an Fahrt

Die Veränderung gegenüber dem jeweiligen Vorjahresquartal veranschaulicht das Muster:

  • Q1/24: +21%
  • Q2/24: +36%
  • Q3/24: +74%
  • Q4/24: +102%
  • Q1/25: +89%
  • Q2/25: +82%
  • Q3/25: +51%

Schätzungen legen nahe, dass das Jahrendquartal 2024 auf rund 35 Prozent Wachstum zurückging.

Quartalswechsel: saisonale Effekte sichtbar

Das Wachstum gegenüber dem vorherigen Quartal schwächte sich noch deutlicher ab:

  • Q1/24: ±0%
  • Q2/24: +20%
  • Q3/24: +29%
  • Q4/24: +30%
  • Q1/25: -6%
  • Q2/25: +15%
  • Q3/25: +7%

Dabei ist zu beachten: Am Jahresende steigt die Nachfrage traditionell, das verzerrt Quartalsvergleiche.

CardLink, TV-Kampagnen und Marktmechanik

Ein Wendepunkt war die Zulassung von CardLink im Mai 2024. Viele Versender konnten erst dann echte Vorteile des digitalen Einlösewegs nutzen. Ab dem zweiten Halbjahr 2024 investierten besonders Shop Apotheke und DocMorris stark in Fernsehen.

  • CardLink ermöglichte erstmals reibungslose Einlösungen per App.
  • Große TV-Kampagnen steigerten Markenbekanntheit und Bestellungen.

Das Resultat: Kurze, aber kräftige Umsatzsprünge. Mittelfristig flaut das Wachstum jedoch ab.

Verschiebung der Marktanteile zugunsten anderer Versender

Vor dem E-Rezept konzentrierte sich der Versandmarkt stark auf zwei Player. Mehr als drei Viertel der Rx-Umsätze entfielen damals auf DocMorris und Shop Apotheke. Gelegentlich lag ihr Anteil sogar bei rund 85 Prozent.

Im Januar 2024 sackte ihr Anteil überraschend auf etwa zwei Drittel. Seitdem stabilisierte er sich bei rund 70 Prozent.

Gleichzeitig stiegen die Umsätze anderer Versender deutlich:

  • Vor dem E-Rezept lagen sie bei unter 20 Mio. Euro pro Quartal.
  • Aktuell erzielen sie etwa 80 Mio. Euro pro Quartal.
  • Für ein ganzes Jahr ergibt das rund 300 Mio. Euro.

Wer hat prozentual am meisten zugelegt?

Verglichen mit 2023, dem Jahr vor dem E-Rezept, zeigen sich überraschende Gewinner:

  • DocMorris: +31%
  • Shop Apotheke: +235%
  • Andere Anbieter: +276%

Besonders bemerkenswert: Viele kleinere Versender wuchsen ohne große TV-Budgets. Das relativiert die Börsenwerte der Großkonkurrenz.

Hinter den Zahlen: Welche Firmen steuern das Wachstum?

Nicht alle Umsatzsprünge stammen von den bekannten deutschen Versandapotheken. Eine Analyse der Beratung Sempora zeigt:

  • Apo.com, Medikamente-per-Klick, Atida (Aponeo) und Sanicare melden zusammen rund 55 Mio. Euro Rx-Umsatz.
  • Ein großer Teil dieser Erlöse läuft über das IK der lokalen Apotheken.
  • Deshalb erscheinen sie nicht vollständig in den BMG-Versandhandelsdaten.

Der große Player im Hintergrund

Ein erheblicher Umsatzanteil entfällt auf die niederländische Firma „International Specialty Pharmacy Rare & Orphan Diseases“.

Diese gehört zur United Healthcare Partners (UHP) und liefert vor allem hochpreisige Arzneimittel für Homecare. In Maastricht hat das Unternehmen einen Reinraum angemietet.

  • Nur wenige Mitarbeitende sind dort für die Sterilherstellung zuständig.
  • Das Geschäft wuchs 2024 rasant: Der Umsatz stieg auf 245 Mio. Euro.
  • Damit hat sich der Umsatz nahezu verdoppelt.

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