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- Umfang und Aufbau der Analyse: Was wurde geprüft?
- Subjektive Gedächtnisprobleme: kaum belegbarer Effekt
- Multiple Sklerose: keine überzeugenden Verbesserungen
- Leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI): nur schwache Hinweise
- Demenz: mögliche kleine bis moderate Effekte
- Verlässlichkeit der Ergebnisse: Grenzen der Studien
- Praktische Bedeutung für Betroffene und Behandelnde
Viele Menschen setzen Hoffnungen in Ginkgo-Präparate, wenn das Gedächtnis schwächelt. Eine aktuelle Übersichtsarbeit wertet Hunderte Studien aus und zeigt ein gemischtes Bild: Bei klar diagnostizierter Demenz könnten Anwender profitieren. Bei leichten oder subjektiven Gedächtnisstörungen bleibt der Nutzen dagegen fraglich.
Umfang und Aufbau der Analyse: Was wurde geprüft?
Forscher sichteten zahlreiche Studien zur Wirkung von Ginkgo biloba auf das Denkvermögen. Insgesamt flossen mehr als 10.000 Teilnehmende aus rund 82 Studien in die Auswertung ein. Häufig verwendeter Prüfstoff war ein definierter Extrakt.
- Häufig getesteter Extrakt: EgB 761®.
- Wichtigste Dosierung: meist 240 mg pro Tag.
- Beurteilte Endpunkte: Allgemeinzustand, Gedächtnisleistungen, Alltagsfähigkeiten.
Subjektive Gedächtnisprobleme: kaum belegbarer Effekt
Personen, die ohne klare Diagnose über Vergesslichkeit klagen, profitierten offenbar wenig. Drei Studien mit knapp 600 Teilnehmenden fanden nach sechs Monaten keine relevanten Unterschiede gegenüber Placebo.
Fazit: Wer nur gelegentlich Konzentrationslücken bemerkt, sollte Ginkgo nicht als bewährte Lösung ansehen.
Multiple Sklerose: keine überzeugenden Verbesserungen
Zwei Studien untersuchten Menschen mit Multipler Sklerose und kognitiven Schwierigkeiten. Die Daten stammen von 164 Teilnehmenden.
Nach drei Monaten zeigte sich kaum ein positiver Einfluss von Ginkgo auf die kognitiven Tests. Maßnahmen zu allgemeinem Befinden oder Alltagsbewältigung wurden in diesen Studien nicht systematisch erfasst.
Leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI): nur schwache Hinweise
Bei leicht eingeschränkter Gedächtnisleistung ohne Demenz lag der Schwerpunkt auf zwölf Studien mit etwa 1.900 Probanden.
- Studienlänge häufig: sechs Monate.
- Ergebnis: kaum oder keine messbare Verbesserung bei Kognition oder Alltagsfunktionen.
Die Daten deuten darauf hin, dass Ginkgo für MCI keine verlässliche Therapieoption darstellt.
Demenz: mögliche kleine bis moderate Effekte
Anders sieht die Lage bei diagnostizierter Demenz aus. Thirteen Studien mit rund 3.300 Betroffenen lieferten Hinweise auf einen Nutzen.
- Verbesserung des Allgemeinzustands nach sechs Monaten.
- Leichte bis moderate Effekte auf Gedächtnisleistungen.
- Geringe Zunahme der Selbstständigkeit im Alltag.
Am besten untersucht ist die Kombination aus EgB 761® und 240 mg täglich. Die Effekte sind jedoch nicht groß und variieren zwischen Studien.
Verlässlichkeit der Ergebnisse: Grenzen der Studien
Wichtig ist die Einschränkung der Aussagekraft. Viele Arbeiten wiesen methodische Schwächen auf. Längere Beobachtungszeiträume fehlen.
Unklar bleibt: Wie stark Nutzen und Risiko bei Einnahme über sechs Monate hinaus ausfallen.
Innerhalb der untersuchten Zeiträume traten Nebenwirkungen selten häufiger auf als bei Placebo.
Praktische Bedeutung für Betroffene und Behandelnde
Für Menschen mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer- oder vaskulärer Demenz kann Ginkgo als Zusatzoption in Betracht gezogen werden. Experten empfehlen eine standardisierte Dosierung und individuelle Abwägung.
- Ginkgo sollte Teil eines umfassenden Behandlungsplans sein.
- Medikamentöse Therapien wie Acetylcholinesterase-Hemmer können ergänzend nötig sein.
- Neben medikamentösen Maßnahmen sind Verhaltenstherapie und Alltagstrainings wichtig.
Vor Beginn einer Einnahme ist die Absprache mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt ratsam. Ein persönlicher Nutzen lässt sich nur individuell prüfen.












