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- Was genau fehlt: Atosil und Neurocil im Fokus
- Warum die Produktion pausiert
- Zeithorizont für die Rückkehr in Apotheken
- Konsequenzen für Kliniken und Ärzt:innen
- Atosil: Indikationen und Wirkprofil
- Neurocil: Wann es eingesetzt wird
- Praxisnahe Alternativen und Leitlinienhinweise
- Konkrete Hinweise für die Umsetzung im Klinikalltag
- Information und Risikomanagement
Berlin — Krankenhäuser und Kliniken stehen vor Engpässen bei zwei Injektionspräparaten: Für Atosil Injektionslösung (Promethazin) und Neurocil Injektionslösung (Levomepromazin) meldet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erhebliche Versorgungsprobleme. Grund ist ein unverhoffter Wechsel beim Hersteller. Die Wiederverfügbarkeit zieht sich voraussichtlich über mehrere Jahre.
Was genau fehlt: Atosil und Neurocil im Fokus
Beide Präparate sind aktuell nicht lieferbar. Die betroffenen Wirkstoffe werden vor allem stationär genutzt. Das BfArM verzeichnet die Meldungen und Hersteller geben technische Probleme als Ursache an.
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Warum die Produktion pausiert
Nach Angaben des Herstellers endete die Zusammenarbeit mit dem bisherigen Lohnproduzenten abrupt. Die Produktion konnte deshalb nicht nahtlos weiterlaufen. Komplexe Herstellungsverfahren erschweren einen schnellen Neustart.
Zeithorizont für die Rückkehr in Apotheken
- Atosil Injektionslösung: Rückkehr nicht vor Sommer 2028 erwartet.
- Neurocil Injektionslösung: Voraussichtliche Wiederverfügbarkeit im Mai 2028.
Konsequenzen für Kliniken und Ärzt:innen
Da beide Medikamente meist in Krankenhäusern eingesetzt werden, müssen medizinische Teams reagieren. Ärzt:innen sind aufgefordert, eng mit Apotheken zu koordinieren.
- Prüfung alternativer Präparate anderer Hersteller.
- Überprüfung von Lagerbeständen und Reserveplänen.
- Dokumentation substituierter Wirkstoffe für die Patientensicherheit.
Atosil: Indikationen und Wirkprofil
Atosil enthält Promethazin. Das Mittel wird unter anderem bei akuten allergischen Reaktionen mit Sedierungsbedarf und bei Erregungszuständen in der Psychiatrie angewendet.
Promethazin wirkt primär als H1-Rezeptorantagonist und hat anticholinerge, antiemetische sowie adrenolytische Effekte. Die genaue Erklärung für beruhigende und antipsychotische Effekte ist nicht vollständig geklärt.
Neurocil: Wann es eingesetzt wird
Neurocil mit Levomepromazin dient bei schweren psychomotorischen Unruhezuständen etwa bei Psychosen und manischen Episoden. Es wird auch ergänzend bei schweren oder chronischen Schmerzen eingesetzt.
Levomepromazin ist ein stark sedierendes Neuroleptikum vom Phenothiazin-Typ. Wegen seines Nebenwirkungsprofils gilt die intramuskuläre Anwendung nicht als erste Wahl bei akuten psychotischen Krisen.
Praxisnahe Alternativen und Leitlinienhinweise
Fachgesellschaften nennen verschiedene Ausweichmöglichkeiten. Die Wahl hängt vom klinischen Kontext ab.
Alternative Optionen bei akuter Erregung
- Benzodiazepine (bei Sedierungsbedarf).
- Olanzapin und Aripiprazol als antipsychotische Alternativen.
Alternativen bei anaphylaktischen Notfällen
- Für die intravenöse Anwendung in der Anaphylaxie werden Dimetinden und Clemastin genannt.
Konkrete Hinweise für die Umsetzung im Klinikalltag
- Ärzt:innen und Apotheker:innen sollten Austauschpräparate frühzeitig evaluieren.
- Dosisanpassungen und Zulassungsstatus der Alternativen prüfen.
- Patientenakten und Medikationspläne anpassen und dokumentieren.
Information und Risikomanagement
Krankenhäuser sollten interne Informationswege nutzen, um Pflege- und Behandlungsteams zu briefen. Risikobewertungen helfen, unerwünschte Arzneimittelereignisse zu minimieren.












