Apotheken in Deutschland vor dem Aus: bald gibt es keine mehr

Zusammenfassung zeigen Zusammenfassung verbergen

Gesundheitsminister Carsten Linnemann hat das Problem des Versandhandels erkannt, doch die Branche wartet auf konkrete Schritte. Bei APOTHEKE LIVE diskutierten Vertreterinnen und Vertreter von Abda, Phagro und der CSU über die Risiken für Apotheken und Großhandel. Die Einigkeit: Ohne politische Eingriffe droht ein massiver Strukturwandel im Arzneimittelmarkt.

Politisches Eingeständnis und die Erwartung an das Handeln

Auf dem Apothekertag räumte Linnemann ein, dass es Probleme mit ausländischen Versandhändlern gibt. Das wurde als wichtiger erster Schritt gewertet.

Die Kritik richtet sich vor allem gegen die Nichteinhaltung vereinbarter Spielregeln durch Versandanbieter aus dem Ausland. Behörden hätten dort nur eingeschränkte Zugriffsmöglichkeiten.

Die Forderung ist klar: Politische Maßnahmen müssen folgen, sonst verliert das System seine Stabilität.

Warum die Zuzahlung zum zentralen Streitpunkt wurde

Ein Knackpunkt ist die Handhabung der Zuzahlung. Versandhändler werben oft mit dem Erlass dieser Kosten.

Abda und Branchenvertreter warnen, dass dies die Steuerung aushebele. Ab Januar droht eine Verschärfung des Problems.

Die Politik soll prüfen, ob Versender von der Versorgung ausgeschlossen werden können, wenn sie Regeln umgehen.

Logistik, GDP und die Kostenfrage

Großhändler wie Phoenix sehen hohe Auslieferungskosten. GDP-konforme Lieferketten sind teuer.

Lagerhalle mit Pharma-Boxen und Paletten, Logistikbetrieb im Tageslicht
GDP-konforme Logistik treibt die Kosten in die Höhe und beeinflusst Lieferentscheidungen.

Ausländische Versender nutzen oft günstigere, weniger aufwendige Logistik. Das verändert die Wettbewerbsbedingungen.

  • GDP-konforme Zustellung erhöht die Kosten deutlich.
  • Versender liefern bevorzugt rentable Produkte.
  • Aufwändige, kühlpflichtige Waren bleiben häufiger stationären Kanälen vorbehalten.

Diese Praxis führt zu einer Verzerrung der Mischkalkulation und gefährdet die Versorgungssicherheit.

Rosinenpickerei: Welche Produkte wandern ab?

Die Tendenz ist klar: Versandhändler wählen profitable Artikel. Das schwächt das Sortiment vor Ort.

Beispiele zeigen, dass ehemals häufig in Apotheken erhältliche Produkte zunehmend online abgeworben werden.

Das Ergebnis: Umsatzströme verschieben sich weg von den Vor-Ort-Apotheken.

Landespolitische Strategien und das Rx-Versandverbot

In Bayern ist das Rx-Versandverbot seit Jahren Thema. Die CSU sieht dies als klare politische Linie.

Landespolitiker fordern Handeln statt nur wohlklingender Absichtserklärungen im Koalitionsvertrag.

Ein komplettes EU-weites Versandverbot für Rx-Präparate gilt als die eindeutigste Lösung.

Warum ein Verbot als einfachste Option gilt

Ein Verbot würde rechtliche Unsicherheiten reduzieren und den Wettbewerb angleichen. Befürworter nennen dies eine schnelle, klare Maßnahme.

EU-Recht, Brüssel und politische Hemmungen

Das europäische Recht wird als Hindernis angeführt. Kritiker halten das jedoch für eine Ausrede.

Viele Mitgliedstaaten erlauben den Rx-Versand nicht. Das zeigt, dass rechtliche Wege möglich sind.

Dennoch fehle oft der politische Wille, solche Schritte durchzusetzen.

Wie man den Versandhandel wirtschaftlich austrocknen könnte

Eine Option ist die strikte Durchsetzung von GDP-Standards. Hohe Kosten könnten das Geschäftsmodell unprofitabel machen.

Alternativ wird ein strengeres Vorgehen gegen das Werben mit Zuzahlungserlass diskutiert.

  • GDP-konforme Lieferketten verpflichtend machen.
  • Werbung mit Zuzahlungsverzicht untersagen.
  • Kontrollen und Sanktionsmechanismen verschärfen.

Forderungen der Apothekenverbände und gesetzliche Initiativen

Die Abda will im Digitalgesetz Änderungen durchsetzen. Ziel ist ein klares Verbot von Zuzahlungswerbung.

Verbandsvertreter fordern eine staatliche Kontrollstelle, die wirksam Strafen durchsetzen kann.

Auch die Krankenkassen sollen stärker in die Pflicht genommen werden.

Gefahren für die pharmazeutische Versorgungsstruktur

Branchenvertreter warnen vor einer gefährlichen Abwanderung lukrativer Produkte in alternative Kanäle.

Leere Apothekenregale am Tag, sparsames Sortiment sichtbar
Leere Regale wären eine mögliche Folge der Abwanderung lukrativer Produkte.

Die Folge könnten leere Regale in Apotheken und ein dramatischer Rückgang der Ertragsbasis sein.

Ein Beispiel: OTC-Umsätze tragen heute einen deutlich höheren Anteil am Gewinn als früher.

Neue Marktteilnehmer: dm, Amazon und die Expansion ins Gesundheitssegment

Der Einstieg großer Handelsketten erhöht den Wettbewerbsdruck. Offline- und Online-Angebote verschmelzen.

Marken wie dm und Rossmann verfügen über Millionen Kundenkontakte. Das verändert die Marktmechanik.

Amazon ist im Non-Rx-Bereich bereits stark vertreten und könnte bei Rx-Angeboten folgen.

Warum diese Player gefährlich sind

Große Händler können Preise drücken und Kundenströme lenken. Apotheken haben dagegen oft höhere Kosten.

Nur durch gemeinsame Strategien können Apotheken langfristig ihre Rolle behalten.

Handlungsoptionen für Apotheken und Großhandel

Vertreter sehen verschiedene Hebel, um die Wettbewerbsbedingungen zu verbessern.

  1. Lobbyarbeit auf EU- und nationaler Ebene verstärken.
  2. Rechtliche Schritte gegen unlautere Praktiken vorbereiten.
  3. Digitale Angebote und Kooperationen ausbauen.

Die Branche betont: Wer jetzt nicht handelt, riskiert eine nachhaltige Schwächung der stationären Versorgung.

Streit mit früheren Regierungsvertretern und die historische Perspektive

Es gab in der Vergangenheit scharfe Debatten mit früheren Gesundheitsministern. Diese Auseinandersetzungen zeigen die Brisanz des Themas.

Kritiker lehnen einfache Vergleiche ab und verweisen auf konkrete Apothekenschließungen als Beleg für Schäden.

Die Diskussion dreht sich auch um das Missverständnis, dass Versandhandel automatisch günstiger ist.

Kontrollen, Sanktionen und die praktische Durchsetzung

Ein großes Problem bleibt die praktische Durchsetzung von Strafen im Ausland. Gelder einzutreiben ist oft schwierig.

Deshalb fordern Akteure strengere, wirksame Mechanismen und eine bessere internationale Kooperation.

Versorgungssicherheit, Beratung und gesellschaftliche Dimension

Beratung in der Apotheke ist mehr als Preisvergleich. Persönliche Betreuung und Notfallversorgung sind wichtig.

Vertreter betonen den gesellschaftlichen Wert eines dichten Apothekennetzes.

Ein stabiles Netzwerk vor Ort stärke auch das Vertrauen in das Gesundheitssystem.

Werbung, Haftung und die Rolle des Staates

Verbände weisen darauf hin, dass bestimmte Aufgaben allein staatliche Zuständigkeit sind.

Sie argumentieren, dass private Akteure nicht für Ordnungsaufgaben haftbar gemacht werden dürfen.

Die paritätische Stelle müsse aus Sicht der Abda zu einer echten, belastbaren Aufsichtsinstanz ausgebaut werden.

YouTube Video

Geben Sie Ihr Feedback

★★★★★

Seien Sie der Erste, der dieser Beitrag bewertet
oder hinterlassen Sie eine detaillierte Bewertung


Kommentar posten

Kommentar veröffentlichen