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- Öffentliche Aufträge neu gedacht: Mehr Anreize für Produktion in der EU
- Warum Europa so stark von Asien abhängig ist
- Strategische Projekte und gemeinsamer Einkauf als Instrumente
- Welche Medikamente auf der Liste stehen
- Reaktionen aus Politik und Gesundheitsbranche
- Wie Apotheken und Patienten die Lage erleben
- Verfahrensschritte: Noch kein fertiges Gesetz
EU-Unterhändler in Brüssel haben sich auf neue Regeln geeinigt, mit denen die Produktion lebenswichtiger Arzneimittel in Europa gestärkt werden soll. Ziel ist es, Lieferengpässe zu reduzieren und die Abhängigkeit von wenigen Herstellern außerhalb der EU zu verringern. Die Einigung betrifft öffentliche Beschaffungsregeln, Fördermechanismen und gemeinsame Projekte zwischen Staaten.
Öffentliche Aufträge neu gedacht: Mehr Anreize für Produktion in der EU
Die Verhandler einigten sich darauf, öffentliche Ausschreibungen so zu gestalten, dass europäische Lieferanten klaren Vorrang bekommen können. Das gilt besonders für Medikamente, bei denen nur wenige Hersteller die Versorgung sichern.
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EU stärkt heimische Pharmaproduktion: Schutz vor Lieferengpässen geplant
- Bevorzugung von in der EU hergestellten Arzneien bei zentralen Beschaffungen.
- Bessere Vergütung, die den Anteil in der EU produzierter Wirkstoffe berücksichtigt.
- Anreize sollen stabile Lieferketten fördern und Produktionskapazitäten zurück nach Europa bringen.
Die Kommission weist darauf hin, dass der Pharmasektor in der EU rund 800.000 Beschäftigte umfasst. Änderungen bei öffentlichen Aufträgen sollen daher auch wirtschaftliche Effekte haben.
Warum Europa so stark von Asien abhängig ist
Viele Wirkstoffe stammen aus kostengünstigen Produktionsstätten in China und Indien. Das spart Kosten, bringt aber Risiken.
- Lieferengpässe durch Produktionsstörungen.
- Qualitätsprobleme und Kontaminationen können Lieferketten ins Stocken bringen.
- Globale Krisen wie Pandemien legen Verwundbarkeiten offen.
Die neue Regelung will dieser Verwundbarkeit begegnen, indem Herstellung in der EU gefördert wird. Dabei spielen auch Vorratsstrategien und Preisanpassungen eine Rolle.
Strategische Projekte und gemeinsamer Einkauf als Instrumente
Neben Änderungen bei Ausschreibungen sollen strategische Vorhaben schneller gefördert werden. Mehrere Mitgliedstaaten können sich zusammentun, um kritische Medikamente gemeinsam einzukaufen.
Wer profitiert von gemeinsamer Beschaffung?
- Arzneimittel für seltene Erkrankungen.
- Antibiotika und Blutgerinnungshemmer.
- Krebsmedikamente und Herz-Kreislauf-Präparate.
Die EU-Kommission definiert kritische Arzneimittel als solche, bei denen wenige oder gar keine Alternativen existieren und Versorgungsstörungen die Patientinnen und Patienten ernsthaft gefährden würden.
Welche Medikamente auf der Liste stehen
Zu den betroffenen Klassen zählen unter anderem:
- Antibiotika
- Antithrombotika
- Krebstherapeutika
- Herz-Kreislauf-Medikamente
Die Substanzen werden in einer offiziellen Liste geführt. Eine verpflichtende Umverteilung zwischen Staaten wurde verworfen. Eine freiwillige, koordinierte Weitergabe und der Austausch über Notbestände bleibt möglich.
Reaktionen aus Politik und Gesundheitsbranche
Der CDU-Europaabgeordnete und Arzt Dr. Peter Liese begrüßte die Maßnahmen als wichtigen Schritt. Er sieht darin einen Wandel hin zur Lösung struktureller Ursachen von Engpässen.
Tiemo Wölken, gesundheitspolitischer Sprecher der Europa-SPD, hob hervor, dass die EU künftig Risiken früher erkennen und koordinierter handeln könne.
Der zyprische Gesundheitsminister Neophytos Charalambides, dessen Land aktuell den Ratsvorsitz innehat, betonte, Patienten müssten sich auf die Versorgung verlassen können.
Wie Apotheken und Patienten die Lage erleben
Praktisch spüren Apotheken und Kliniken Engpässe täglich. Laut Abda verursacht das Management von Lieferproblemen in deutschen Apotheken im Schnitt mehr als 20 Stunden Arbeitszeit pro Woche pro Betrieb.
In Deutschland kam es wiederholt zu Versorgungsproblemen. Beispiele reichen von Schmerzmitteln über Diabetespräparate bis zu Antibiotika. Im Januar öffnete das Bundesgesundheitsministerium befristet Regeln, damit Importe erleichtert werden konnten.
2022 waren unter anderem Paracetamol-Fiebersäfte für Kinder nur schwer erhältlich. Daraufhin lockerte die Politik bestimmte Preisregeln und verlangte höhere Vorräte. Eine Auswertung des Verbands Pro Generika zeigte später einen Rückgang der Engpässe bei Kinderarzneien.
Verfahrensschritte: Noch kein fertiges Gesetz
Die Übereinkunft der Verhandler ist vorläufig. Bevor die Regelungen wirksam werden, müssen Europaparlament und Rat zustimmen. Erfahrungsgemäß folgen diese Gremien meist der Einigung der Unterhändler.
Die Umsetzung wird Zeit und weitere Abstimmungsschritte brauchen. Die Rückverlagerung von Produktionen nach Europa ist komplex und erfordert nachhaltige Investitionen sowie politische Unterstützung durch Förderprogramme.












