Insolvenz zwingt R-Pharm-Tochter: Hoffnung auf Verkauf

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Die Produktion in Illertissen läuft weiter, obwohl die deutsche Tochter des russischen Herstellers R-Pharm Insolvenz angemeldet hat. Beschäftigte, Gerichtsbeschlüsse und potenzielle Käufer bestimmen derzeit den Takt. Was folgt, berichtet dieser Text aus verschiedenen Blickwinkeln.

Insolvenz offiziell eröffnet — Liquidität für die kommenden Monate gesichert

Das Amtsgericht Neu-Ulm hat das Verfahren formell zum 1. Mai eröffnet. Der bestellte Insolvenzverwalter Markus Fröhlich erklärt, dass das Werk zunächst über die nächsten Monate finanziert ist. Damit bleibt die Produktion nicht nur symbolisch bestehen, sondern kann operativ weiterlaufen.

Wie es organisatorisch weitergeht

  • Fortlaufende Zahlungen an Lieferanten werden geprüft.
  • Das Management arbeitet mit dem Insolvenzverwalter zusammen.
  • Mitarbeiter behalten vorerst ihre Stellen und Aufgaben.

Käufergespräche laufen — Ziel: übertragende Sanierung

Fröhlich hofft auf einen Käufer, der den Standort übernimmt. Es gibt bereits zahlreiche Interessenten und erste Angebote. Diese führen aktuell die übliche Due-Diligence-Prüfung durch.

  • Prüfung von Risiken und Geschäftszahlen durch potenzielle Käufer.
  • Verhandlungen über Kaufpreis und Übergabebedingungen.
  • Plan einer übertragenden Sanierung als bevorzugte Lösung.

Eine übertragende Sanierung würde Vermögenswerte und Verträge auf einen Erwerber übertragen. Das Verfahren soll einen Betriebserhalt ermöglichen und Arbeitsplätze sichern.

Sanktionen nach dem Ukraine-Krieg als Auslöser der Zahlungsschwierigkeiten

Nach dem Beginn des Kriegs in der Ukraine verschärfte die EU ihr Sanktionsregime gegen Russland. Als Reaktion kamen Gegensanktionen aus Moskau. Für die Tochterfirma in Deutschland führten diese Maßnahmen zu Zahlungsstörungen.

Die finanzielle Schieflage eskalierte so weit, dass das Unternehmen Mitte März Insolvenzantrag stellte. Der Konflikt auf politischer Ebene wirkte sich direkt auf die Zahlungsströme des Konzerns aus.

Betrieb, Kunden und Personal: Alltag in Illertissen

In Illertissen werden Arzneimittel entwickelt, produziert und an Kunden in rund 150 Ländern versandt. Rund 300 Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt.

  • Entwicklung und Produktion finden am selben Standort statt.
  • Der internationale Versand bleibt ein Kernsegment.
  • Seit dem 1. Mai erhalten Beschäftigte wieder ihre Löhne und Gehälter.

Der Insolvenzverwalter nennt die Belegschaft als Schlüssel zum Fortbestehen. Teilweise wurden neue Aufträge bestätigt, die die Auslastung stützen.

Vom Seifenwerk zum Pharma-Standort: Die Geschichte des Werks

Der Standort blickt auf eine lange Historie zurück. Einige Meilensteine sind prägend für das heutige Profil.

  • 1860: Gründung der Produktion in Illertissen durch Heinrich Mack.
  • Frühe Jahre: Herstellung von Seifen und Drogerieartikeln.
  • Nachkriegszeit: Verkaufsschlager wie „Kaiser Borax“ prägten das Sortiment.
  • Anfang der 1970er Jahre: Übernahme durch den US-Pharmakonzern Pfizer.
  • 2014: Einstieg von R-Pharm als neuer Eigentümer.

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