DocMorris in Apotheken: das ändert sich für Kunden

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Ab Juli sollen Apotheken Videosprechstunden anbieten können. Die rechtlichen Regeln stehen bereits detailliert. Doch in der Praxis fehlen vor allem technische Lösungen und verlässliche Ärzte‑Netzwerke. Experten warnen, dass am Ende Dienstleister mit bestehenden Arztpools profitieren könnten.

Was Apotheken für die assistierte Telemedizin konkret benötigen

Der neue Rahmenvertrag beschreibt Räume, Personal, Technik und Abrechnung bis ins Detail. Trotzdem bleiben für vielen Apotheken offene Fragen.

  • Räumlichkeiten: separater, datensicherer Beratungsbereich.
  • Personal: geschulte Mitarbeitende für die Assistenz.
  • Technik: zertifizierte Videolösung und stabile Internetverbindung.
  • Abrechnung: klare Procedere mit Kassen und Honoraren.
  • Ärztliche Anbindung: Ärzte, die kurzfristig erreichbar sind.

Eine gute Softwareplattform allein reicht nicht. Entscheidend ist, dass genügend Ärztinnen und Ärzte bereits an diese Plattform angeschlossen sind.

Wo die Angebote stehen: zertifizierte Videodienste und ihr Problem

Bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sind derzeit 32 Videodienstanbieter gelistet. Dazu zählen spezialisierte Start-ups und große Anbieter von Praxisverwaltungssoftware.

  • Beispiele aus dem Markt: Arztkonsultation, Jameda, KEJ Digital Care Solutions.
  • PVS‑Anbieter mit Videofunktionen: CompuGroup Medical (CGM), Doctolib, Zollsoft.
  • Pharma‑Tochterangebote: Apomondo mit Docmondo.

Viele Anbieter haben aber noch keine ausreichende Zahl an fest angebundenen Ärzten. Ohne diese Kapazität bleibt eine Plattform für Apotheken wirkungslos.

Teleclinic: Der Kandidat mit größter ärztlicher Reichweite

Ein Akteur sticht heraus: die Teleclinic, eine Tochter des Versandhändlers DocMorris. Laut Firmenangaben sind dort rund 6.500 Ärztinnen und Ärzte angebunden.

  • Behandlungszahlen: rund 2 Millionen Fälle im letzten Jahr.
  • Umsatz: etwa 26 Millionen Euro im gleichen Zeitraum.
  • Historie: Übernahme vor sechs Jahren für 46,8 Millionen Schweizer Franken.

Teleclinic liefert nicht nur eine Plattform, sondern auch einen großen Pool an Teleärzten. Das macht das Unternehmen für Apotheken und Kassen attraktiv.

Die Firma arbeitet bereits als White‑Label‑Dienstleister. Große Kassen nutzen die Technik in ihren Apps. Zudem gibt es Kooperationen mit Verbänden und Versorgungsangeboten wie KVN.akut.

Der Teleclinic‑Geschäftsführer betont dabei den Nutzen digitaler Gesundheitsangebote für die Apotheke. Konkrete Entscheidungen zur Apothekenintegration stehen aber noch aus.

Warum der vorhandene Ärzte‑Pool nicht automatisch reicht

Fachleute weisen auf zentrale Einschränkungen hin. Nicht alle gelisteten Ärztinnen und Ärzte sind für die aTM zugelassen.

  • Viele Telemedizinärzte arbeiten privatärztlich. Sie haben oft keine Kassenzulassung.
  • Einige Ärztinnen und Ärzte sind nur stundenweise verfügbar.
  • Hausärztinnen und Hausärzte sind in der Telemedizin besonders gefragt, aber selten in großen Zahlen frei.

Die Verfügbarkeit von Kassenärzten kann die Einführung in Apotheken bremsen. Viele Hausärzte sind ausgelastet und stehen nicht kurzfristig für Videosprechstunden zur Verfügung.

Praktische Optionen für Apotheken und mögliche Modelle

Apotheken planen unterschiedliche Zugangswege zur aTM. Einige Szenarien zeichnen sich ab:

  1. Externe Plattformen nutzen und an bestehende Arztpools andocken.
  2. Selbst lokale Hausärzte einbinden und Termine koordinieren.
  3. Partnerschaften mit etablierten Telemedizin‑Anbietern eingehen.

Wichtig sind klare Qualitäts‑ und Datenschutzstandards sowie verlässliche Erreichbarkeit der Ärzte.

Fragen, die offen bleiben

  • Wer trägt die technische Verantwortung in der Apotheke?
  • Wie werden Wartezeiten und Erreichbarkeit geregelt?
  • Welche Ärzte sind tatsächlich für die kassenärztliche Abrechnung verfügbar?

Welche Rolle DocMorris und Branchenpartnerschaften spielen

DocMorris profitiert indirekt, weil Teleclinic bereits breit vernetzt ist. Zahlreiche Kooperationen mit Kassen und Verbänden stärken die Marktposition.

Die Kombination aus Plattform, Ärztenetz und Rahmenverträgen macht Teleclinic zu einem attraktiven Partner für Apotheken, die schnell starten wollen.

Was Apotheken jetzt strategisch überlegen sollten

Apotheken sollten nicht nur die vertraglichen Vorgaben prüfen. Sie brauchen klare Implementierungspläne.

  • Evaluieren: Welche Plattform bietet realistische Arzt‑Kapazitäten?
  • Kooperieren: Lokale Hausärzte früh einbinden.
  • Testen: Pilotphasen mit definierten Abläufen starten.
  • Sichern: Datenschutz und Abrechnungslösungen abklären.

Nur mit technischen Lösungen und einem verlässlichen Ärztepool lässt sich der aTM‑Betrieb wirtschaftlich stemmen.

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