Rezeptchaos für Apotheken: Arztsignatur droht Versorgung lahmzulegen

Zusammenfassung zeigen Zusammenfassung verbergen

Apotheken stehen vor einer neuen Störung bei der Abrechnung von E-Rezepten. Seit einigen Wochen tauchen Verordnungen ohne gültige Arztsignatur auf. Das Problem zeigt sich erst in den Rechenzentren und könnte die Praxisabrechnung bald stark belasten.

Worum es technisch geht: Ablauf der eHBA sorgt für Lücken

Die Ursache liegt offenbar im turnusmäßigen Austausch der Heilberufsausweise (eHBA). Viele Zertifikate sind abgelaufen oder wurden gesperrt.

Was genau schiefläuft

  • In Praxen und Apotheken erscheint kein Warnhinweis.
  • Erst die Rechenzentren melden eine fehlende oder ungültige Arztsignatur.
  • Ein Ticket bei der Gematik existiert, ist aber noch offen.
  • Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) ist informiert.

Die Gematik hatte die Frist für den eHBA-Austausch bereits einmal verlängert. Verbände hatten das Szenario vorher zuvor gewarnt.

Aktueller Umfang: Tausende Rezepte betroffen

Die Zahl der betroffenen E-Rezepte wächst. Quellen sprechen bereits von Tausenden.

  • Die Bundesärztekammer (BÄK) hat keine genauen Zahlen.
  • Die Rechenzentren melden vermehrt Meldungen zu nichtvaliden Zertifikaten.
  • Einige Rechenzentren weisen Apotheken auf temporäre Sperrungen hin.

Die rechtliche Lage aus Sicht der Apotheker

Der Deutsche Apothekerverband (DAV) sieht die Verantwortung bei der Infrastrukturbetreiberin. Nach Ansicht des DAV sind die Rezepte abrechenbar.

Wörtlich verweist der Verband auf die Abrechnungsvereinbarung zu § 300 SGB V. Dort ist gefordert, dass elektronische Verordnungen technisch vollständig und fehlerfrei bereitgestellt werden.

Der DAV macht deutlich: Der Fehler liege bei der Gematik und sei von Apotheken nicht erkennbar.

Positionen von GKV und Kassen: Keine einfache Freigabe

Der GKV-Spitzenverband hält an den gesetzlichen Voraussetzungen fest. Eine gültige Arztsignatur bleibt nach ihrer Aussage Voraussetzung für Abgabe und Abrechnung.

Die Kassenbetreiber betonen:

  1. Die Gültigkeit der Signatur prüft der Fachdienst der Telematik.
  2. Nur technisch gültig signierte Rezepte seien grundsätzlich abrechenbar.

Warnungen von Rechenzentren und praktische Hinweise

Das Rechenzentrum ARZ Haan informiert Kunden aktiv. Im Portal taucht der Hinweis „Arztzertifikat nicht valide“ auf.

  • Empfehlung: Bei solchen Fällen ein Papierrezept anfordern.
  • Apotheken sollten Dokumentation der Abgabe sicherstellen.
  • Rechenzentren raten zur engen Abstimmung mit Praxen.

Der DAV steht in Kontakt mit Gematik und BMG, um kurzfristige Lösungen zu finden.

Mögliche Folgen für Apotheken: Retaxationen und Pausen bei Sammelrechnungen

Bleibt das Problem ungelöst, drohen finanzielle Risiken.

  • Prüfer der Krankenkassen könnten betroffene Rezepte aus dem Verkehr ziehen.
  • Es drohen Retaxationen oder Stopp der Sammelabrechnung.
  • Unklar ist die Haftung, wenn eine Praxis gesperrt wurde.

Apotheken fragen, wer für bereits gelieferte Arzneimittel haftet, falls Verordnungen später für ungültig erklärt werden.

Was Verbände fordern und welche Fristen gelten

Der DAV fordert eine schnelle Klärung. Aus Sicht des Verbandes wäre eine Lösung bis Monatsende wünschenswert.

Die BÄK nennt weiter keine detaillierte Fehleranalyse. Die Gematik arbeitet an einem Ticket, ein Abschluss ist aber offen.

Konkrete Handlungsempfehlungen für Praxen und Apotheken

  • Überprüfen Sie regelmäßig die Gültigkeit der eHBA-Zertifikate.
  • Dokumentieren Sie jede Abgabe digital und auf Papier.
  • Holen Sie bei Fehlermeldungen ein papierrezept ein.
  • Kontaktieren Sie das zuständige Rechenzentrum bei Unklarheiten.
  • Treten Sie mit Ihrem Berufsverband in Verbindung, um rechtliche Schritte zu klären.

Offene Fragen an Politik und Technik

Viele Punkte bleiben ungeklärt. Dazu gehören Haftungsfragen und der Umfang möglicher Retaxationen.

Auch die Geschwindigkeit, mit der die Gematik ein Software-Update oder eine Verfahrensänderung liefert, ist entscheidend.

Die Bundesbehörden sind informiert. Ein zeitnaher, verbindlicher Weg wäre nötig, um Abrechnungsstörungen zu vermeiden.

Geben Sie Ihr Feedback

Seien Sie der Erste, der dieser Beitrag bewertet
oder hinterlassen Sie eine detaillierte Bewertung


Kommentar posten

Kommentar veröffentlichen