Mavorixafor für 40.000 Euro: Norgine bringt teures Medikament

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In Deutschland und Österreich ist ein neues Medikament gegen das seltene WHIM-Syndrom erhältlich: Xolremdi (Wirkstoff Mavorixafor). Die Zulassung in der EU öffnet Betroffenen erstmals eine zielgerichtete Behandlungsoption, die allerdings mit hohen Kosten verbunden ist.

Markteinführung, Verfügbarkeit und Preis

Xolremdi ist als verschreibungspflichtiges Arzneimittel für Patientinnen und Patienten ab zwölf Jahren zugelassen. Deutschland und Österreich zählen zu den ersten EU-Ländern, in denen das Medikament nach der EU-Zulassung ausgeliefert wird. Die Monatspackung mit 120 Hartkapseln kostet 40.000 Euro. Das Präparat ist erstattungsfähig.

Rezept und Medikamentenverpackung auf Tresen in der Apotheke bei Tageslicht
Xolremdi ist verschreibungspflichtig und in Deutschland und Österreich auf dem Markt.

Wie Mavorixafor wirkt: CXCR4 gezielt blockiert

Mavorixafor setzt am Chemokinrezeptor CXCR4 an. Dieser Rezeptor bindet normalerweise den Liganden CXCL12 (auch SDF‑1 genannt).

Folgen der CXCR4‑Hyperaktivität

Bei WHIM-Patienten führen Gain-of-Function-Mutationen im CXCR4-Gen zu einer übermäßigen Reaktion auf CXCL12. Das Resultat: Leukozyten bleiben im Knochenmark zurück und gelangen nicht ausreichend in den Blutkreislauf.

Wirkung von Mavorixafor

Der Wirkstoff blockiert die CXCR4‑Signalgebung und hebt damit die Leukocyten-Retention auf. Neutrophile, Lymphozyten und Monozyten werden dadurch aus dem Knochenmark mobilisiert.

Laborbild: Blutproben und Modell von weißen Blutkörperchen unter Mikroskop
Mavorixafor mobilisiert Neutrophile und Lymphozyten aus dem Knochenmark.

WHIM-Syndrom: Ein Überblick zur Erkrankung

Das WHIM-Syndrom ist eine seltene, angeborene Form der Immundefizienz. Typische Merkmale sind:

  • rezidivierende Infektionen
  • Neutropenie und Hypogammaglobulinämie
  • Warzen durch HPV-Infektionen
  • Myelokathexis mit verminderter Leukozytenfreisetzung

Bislang gab es keine gezielt auf CXCR4 ausgerichtete Therapie. Xolremdi bietet nun eine oral verabreichte Option, die die Zahl reifer zirkulierender Neutrophiler und Lymphozyten erhöht.

Empfohlene Dosierung und Einnahmehinweise

Die übliche Tagesdosis beträgt 400 mg, verabreicht einmal täglich auf nüchternen Magen.

  • Standarddosis: 400 mg (vier Kapseln) nach nächtlicher Nahrungskarenz.
  • Bei Körpergewicht ≤50 kg: Tagesdosis 300 mg.
  • Bei gleichzeitiger Gabe starker oder mittelstarker CYP3A4- oder P-gp-Inhibitoren: Tagesdosis auf 200 mg reduzieren.
  • Versäumte Dosis: nicht durch Verdoppeln ausgleichen.

Die Einnahme sollte mindestens 30 Minuten vor dem Essen erfolgen.

Wechselwirkungen und Warnhinweise

Einige Arzneimittel und Nahrungsmittel beeinflussen den Abbau von Mavorixafor.

  • Grapefruit und Grapefruitsaft vermeiden. Grapefruit ist ein starker CYP3A4-Inhibitor und kann Nebenwirkungen verstärken.
  • Starke CYP3A4- und P-gp-Inhibitoren erfordern eine Dosisanpassung.

Mavorixafor ist mit einer dosisabhängigen Verlängerung des QTc-Intervalls assoziiert. Vor der Therapie sollten kardiologische Risiken bedacht werden.

Schwangerschaft ist kontraindiziert. Anwendung während der Schwangerschaft kann dem Fötus schaden. Männer und Frauen im gebärfähigen Alter sollen geeignete Verhütungsmaßnahmen anwenden.

Zur Risikominimierung werden Leitfäden und eine Patientenkarte mitgeliefert.

Häufige Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungsdaten stammen aus den klinischen Prüfungen und der Zulassungsdokumentation.

  • Sehr häufige Ereignisse: Kopfschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Dyspepsie, Bauchschmerzen, Erbrechen, Hautausschlag.
  • Häufige Ereignisse: Schwindel, Synkope, Nasenbluten, trockene Haut, psoriasiforme Dermatitis.

Behandelnde Ärztinnen und Ärzte sollten Patientinnen und Patienten über diese möglichen Effekte informieren und bei Verdacht auf schwerwiegende Reaktionen eine Abwägung der Therapie vornehmen.

Studienbasis und Zulassungsgründe

Die Zulassung von Xolremdi erfolgte unter außergewöhnlichen Umständen, was die Seltenheit des WHIM-Syndroms widerspiegelt.

Entscheidend waren Ergebnisse aus der Phase‑III‑Studie „4WHIM“. Dort zeigte Mavorixafor im Vergleich zu Placebo eine anhaltende Erhöhung der zirkulierenden Neutrophilen- und Lymphozytenzahlen. Parallel reduzierte sich die Infektionslast.

In der Verumgruppe wurden 14 Patientinnen und Patienten behandelt. Etwa die Hälfte davon gehörte zur Altersgruppe von 12 bis 18 Jahren.

Herstellerinitiative und Aufklärung

Norgine betont den medizinischen Fortschritt, den Xolremdi für Betroffene bringt. Das Unternehmen will zusammen mit Fachkräften und Patientenorganisationen das Bewusstsein für das WHIM-Syndrom schärfen.

Geplante Aktivitäten umfassen Informationsangebote zur frühzeitigen Diagnose und Unterstützung für behandelnde Teams.

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