Apothekensterben: Kassen ignorieren Hubmanns Warnruf

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Die Versorgung mit Medikamenten gerät in Deutschland an vielen Orten unter Druck. Eine aktuelle Untersuchung im Auftrag der ABDA zeigt: Mehr als vier Millionen Menschen müssen über sechs Kilometer zur nächsten Apotheke fahren. Die Deutung der Daten sorgt für Streit über Ursachen und Lösungen.

Welche Regionen besonders große Lücken aufweisen

Die Studie mit dem Titel „Untersuchung der Entfernungen zwischen Apotheken und der betroffenen Bevölkerung“ nennt deutliche regionale Unterschiede. In einigen Flächenländern sind weite Wege die Regel.

  • Mehr als 4 Millionen Menschen legen längere Strecken als sechs Kilometer zur nächsten Apotheke zurück.
  • Rund 5 Prozent der Bevölkerung lebt in Regionen mit schlechter Arzneimittelversorgung.

  • Bayern verzeichnet mit knapp 900.000 Betroffenen die höchste absolute Zahl.
  • Mecklenburg-Vorpommern fällt mit fast 22 Prozent der Bevölkerung mit weiten Wegen besonders auf.

Apothekenschließungen und die Folgen für Patienten

Die Zahl der Apotheken ging in den letzten Jahren deutlich zurück. Zwischen 2018 und 2023 mussten bereits mehr als zwei Millionen Menschen weitere Strecken zur Versorgung in Kauf nehmen.

Fast eine halbe Million Patientinnen und Patienten waren von deutlich längeren Wegen betroffen. Das macht sichtbar, wie sehr einzelne Schließungen lokale Versorgungsnetze destabilisieren.

Der DAV-Vorsitzende Dr. Hans-Peter Hubmann warnt, dass in ländlichen Gebieten viele Apotheken eine Alleinversorgungsfunktion tragen. Fällt ein solcher Standort weg, haben die Menschen vor Ort oft keine nahen Alternativen mehr.

Unterschiede zwischen Stadt und Land klar benennen

Die Probleme sind nicht nur ländlich. In den Stadtstaaten existieren kaum isolierte Apotheken. Die Dichte der Betriebe ist dort jedoch niedrig.

  • Bremen: 17 Apotheken je 100.000 Einwohner.
  • Berlin: 18 Apotheken je 100.000 Einwohner.
  • Bundesweiter Schnitt: 20 Apotheken je 100.000 Einwohner.

Das bedeutet: In Städten steigt die Arbeitsbelastung der verbliebenen Apotheken stark an. In ländlichen Gebieten verursachen Schließungen weite Wege. Beides wirkt sich negativ auf die Versorgung aus.

Hubmann kritisiert zudem, dass manche Krankenkassen die Lage bagatellisieren. Ihre Berechnungen würden meist nur Durchschnittsentfernungen nennen und die tatsächliche Erreichbarkeit per Auto oder ÖPNV nicht ausreichend berücksichtigen.

Zahlen und Fakten kompakt

  • Stand Apothekenanzahl: 16.541 Apotheken (Stand 31. März 2026).
  • Rückgang: Rund 20 Prozent weniger Standorte in 13 Jahren.
  • Betroffene in Bayern: Ca. 900.000 Menschen.
  • Betroffene in Mecklenburg-Vorpommern: Fast 22 Prozent der Bevölkerung.

Politische Forderungen und wirtschaftliche Perspektiven

Vor dem Hintergrund der Zahlen verlangen Apothekervertreter Maßnahmen zur Sicherung der wohnortnahen Versorgung. Zentrale Forderung: die finanzielle Lage der Apotheken langfristig stabilisieren.

Experten und Verbände betonen, die Vergütung müsse dauerhaft an die wirtschaftliche Situation angepasst werden. Nur so ließen sich Standorte halten, die für ganze Regionen systemrelevant sind.

Unklar bleibt, welche konkreten Modelle zur Honoraranpassung umgesetzt werden sollen und wie schnell politische Entscheidungen realisiert werden können.

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