ApoVWG: Versicherungsschutz anpassen oder Lücken riskieren?

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Das neue Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz bringt Apotheken Aufgaben, die früher Ärzten vorbehalten waren. Diese Erweiterung bietet Chancen und Risiken. Betreiber müssen nicht nur Räume und Personal anpassen, sondern auch ihre Versicherungen neu denken.

Warum Apotheken jetzt ihre Haftpflicht neu bewerten sollten

Mit erweiterten Leistungen wachsen die Haftungsrisiken. Mehr Impfangebote, pDL-Leistungen und venöse Blutentnahmen verändern das Schadensbild. Auch die Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente ohne Rezept erhöht die Komplexität.

Versicherungsexperten raten, die Haftpflichtdeckung deutlich anzuheben. Viele Apotheken arbeiten noch mit Deckungssummen von drei bis zehn Millionen Euro. Das reicht nach heutiger Einschätzung oft nicht aus.

  • Empfohlene Mindestdeckung: 15 Millionen Euro oder mehr.
  • Zum Vergleich: Private Haftpflichtpolicen liegen häufig bei 50 Millionen Euro.
  • Kfz-Haftungen erreichen inzwischen oft 100 Millionen Euro.

Inhaber sollten bedenken: als eingetragene Kaufleute haften sie auch für Fehler von Mitarbeitenden. Das kann im Extremfall das Privatvermögen betreffen, wenn die Versicherungsgrenzen nicht genügen.

Räume, Ausstattung und die Gefahr der Unterversicherung

Wenn Apotheken für neue Leistungen Flächen anmieten oder umfangreich ausstatten, beeinflusst das die Inhaltsversicherung.

Viele Policen basieren auf einem festgelegten Apothekenwert. Werden neue Geräte oder Inventar nicht gemeldet, droht eine Unterversicherung. Im Schadenfall kann das zu erheblich gekürzten Zahlungen führen.

Praktische Hinweise zur Inhaltsversicherung

  • Jede größere Neuanschaffung der Versicherung melden.
  • Bei Umbau oder zusätzlicher Anmietung prüfen, ob der Versicherungswert angepasst ist.
  • Spezialpolicen, die auf Unterversicherungsklauseln verzichten, bieten Ausnahmen.

Cybergefahren: Warum Gesundheitsdaten ein Ziel sind

Gesundheitsdaten sind im Darknet gefragt. Apotheken, die neue Services kommunizieren, könnten verstärkt Ziel von Cyberkriminalität werden.

Eine apothekenspezifische Cyberversicherung ist dringend zu prüfen. Sie sollte die DSGVO-Anforderungen beachten und die 72-Stunden-Frist abdecken.

  • Versicherung sollte IT-Forensiker und Datenschutzanwälte bereitstellen.
  • Prävention: IT-Sicherheit erhöhen und Mitarbeitende schulen.
  • Regelmäßige Backups und Zugriffskontrollen sind Pflicht.

Betrugsrisiken: Rezeptfälschung, Trickbetrug und Retaxationen

Die Abgabe von Rx-Präparaten ohne Rezept kann neue Betrugswege eröffnen. Trickbetrüger und Rezeptfälscher könnten gezielt Apotheken ansprechen, die solche Angebote bewerben.

Inhaber sollten klären, ob ihre Police Trickbetrug und Fälschungen einschließt. Auch das wirtschaftliche Risiko durch Retaxationen muss beachtet werden.

  • Nachfragen: Deckt die Police Aut-idem- und Rx-Fälschungs-Retax ab?
  • Besonders relevant bei hochpreisigen Präparaten.
  • Interne Kontrollen können Retax-Risiken minimieren.

Versicherungslösungen: Branchenspezifisch statt Standard

Apothekenspezifische Versicherungskonzepte erleichtern Anpassungen. Viele dieser Policen enthalten Update- oder Innovationsklauseln. Neue apothekentypische Risiken werden so oft automatisch mitversichert.

Wer nur Handelsversicherungen nutzt, hat mehr Aufwand bei der Umstellung. Das ApoVWG ist ein sinnvoller Anlass, über eine branchengerechte Absicherung nachzudenken.

Checkliste für die Policenanpassung

  1. Bestandsaufnahme: Welche neuen Leistungen werden angeboten?
  2. Deckungssummen prüfen und sinnvoll erhöhen.
  3. Inhaltsversicherung auf neue Werte anpassen.
  4. Cyberversicherung mit DSGVO-konformen Leistungen absichern.
  5. Deckungen für Trickbetrug, Rezeptfälschung und Retaxationen klären.
  6. Beratung durch apothekenerfahrenen Versicherungsberater einholen.

Haftungsfragen bei Delegation an PTA und Mitarbeitende

Wer medizinische Leistungen delegiert, bleibt oft haftbar. Das gilt insbesondere für Inhaberinnen und Inhaber, die als Kaufleute eingetragen sind.

Die Versicherung muss auch Fehler von Angestellten abdecken. Falls nicht, droht eine Haftung bis hin zum Privatvermögen.

  • Klare Delegationsregeln schriftlich festhalten.
  • Fortbildungen und Dokumentation als Risikominimierung.
  • Versicherungsschutz auf delegierte Tätigkeiten überprüfen.

Wie Versicherer den Übergang erleichtern können

Apothekenspezifische Policen reduzieren den administrativen Aufwand. Sie integrieren häufig Neuerungen automatisch. Trotzdem sollte jede Anpassung individuell geprüft werden.

Bei Bedarf kann der Wechsel zu einem spezialisierten Anbieter die beste Lösung sein. Dabei zählt nicht nur der Preis, sondern auch die Expertise im Apothekenbereich.

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