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- Vom Pharmabereich in die Lokalpolitik: persönliche Motive und Weg
- Wirtschaftsstandort Chemie und Pharmazie: Erhalten und umbauen
- Fachkräftesicherung, Nachfolgeprobleme und ländliche Perspektiven
- Apothekenpolitik stärker denken: Versorgung, Fortbildung und Vergütung
- Finanzielle Engpässe: Honorar, Skonti und wirtschaftlicher Druck
- Bundespolitik und unmittelbare Folgen für Praxen
Sandra Sabine Lüder, 57 Jahre alt und für Bündnis 90/Die Grünen aktiv, will in Sachsen-Anhalt nicht nur die E-Mobilität voranbringen. Die ehemalige Pharmareferentin bringt konkrete Ideen für die Gesundheitsversorgung mit. Dabei rücken besonders die Apotheken und die regionale Pharmaindustrie in den Mittelpunkt ihrer politischen Agenda.
Vom Pharmabereich in die Lokalpolitik: persönliche Motive und Weg
Adventskalender in der Apotheke: Sind die Türchen ihr Geld wert?
Zuzahlungserlass stoppen: DAT-Antrag fordert klares Verbot
Lüder arbeitete zwei Jahrzehntelang im Pharmavertrieb und vertiefte später ihr Wissen im Bachelorstudium der Pharmazeutischen Wissenschaften in Freiburg. 2016 kehrte sie in ihre Heimatstadt Wittenberg zurück. Die starke AfD-Unterstützung bei den damaligen Wahlen löste bei ihr Entschlossenheit aus. Statt wegzuziehen, wollte sie aktiv gegen politische Radikalisierung vorgehen.
Früher wählte sie CDU. Mit der Zeit änderte sich das. Gründe waren fehlende Angebote für Alleinerziehende und eine wachsende Sensibilität für Klima- und Umweltthemen. Seit Sommer 2024 sitzt Lüder im Stadtrat der Lutherstadt Wittenberg. Nun tritt sie als Direktkandidatin für den Wahlkreis 29 (Saalekreis) zur Landtagswahl an.
Wirtschaftsstandort Chemie und Pharmazie: Erhalten und umbauen
Die Region ist stark von Chemie und Pharmazie geprägt. Lüder will diesen Wirtschaftszweig sichern und modernisieren. Dabei setzt sie auf Unterstützung bei der ökologischen Transformation.
- Regionale Wertschöpfung erhalten.
- Förderung nachhaltiger Produktionsverfahren.
- Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen bei Investitionen.
Unternehmen spüren aber auch geopolitische Risiken. Lieferketten und Fördermittel haben sich verändert. Zudem fehlen manchmal Spenden und Investitionen aus dem Umfeld.
Fachkräftesicherung, Nachfolgeprobleme und ländliche Perspektiven
Die Frage der Nachfolge ist für Handwerk und Mittelstand ein drängendes Thema. Viele Betriebe auf dem Land finden keine Übernehmer.

Lüder sieht verschiedene Stellschrauben:
- Finanzielle Anreize für Unternehmens-Übernahmen.
- Ausweitung der Landarztquote auf andere Gesundheitsberufe.
- Verbesserter Kita- und Betreuungsservice zur Stärkung junger Familien.
Die demografische Welle der Babyboomer trifft auch Apotheken. Viele Inhaber gehen in den Ruhestand. Für junge Pharmazeuten ist das Risiko, eine Apotheke zu übernehmen, oft zu hoch. Hinzu kommt die Konkurrenz durch Versandapotheken.
Versandapotheken und regionale Nachteile
In Lüders Heimatstadt hat die Versandapotheke Mycare ihren Hauptsitz. Solche Anbieter betreiben auch Vor-Ort-Standorte in der Region. Aus ihrer Sicht stehen inländische Versender im Wettbewerb nicht gleichauf mit ausländischen Anbietern.
Das hat Folgen für die lokale Versorgung. Wenn Apotheken schließen, entstehen Versorgungslücken, besonders auf dem Land.
Apothekenpolitik stärker denken: Versorgung, Fortbildung und Vergütung
Im bundesweiten Diskurs stehen Krankenhäuser und Ärzte oft im Vordergrund. Apotheken geraten dabei ins Hintertreffen. Lüder will das ändern und die Apotheken sichtbarer machen.
Apotheken müssen politisch mehr Gewicht bekommen. Die Branche braucht Planungssicherheit, Schulungen und verlässliche Vergütungsmodelle.
Neue Kompetenzen und das ApoVWG
Das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) ist laut Lüder ein Schritt nach vorn. Viele Details sind jedoch noch ungeklärt. In Gesprächen spürt sie Skepsis bei Apotheken.
- Konkrete Vorgaben zu neuen Leistungen fehlen noch.
- Fortbildungsangebote müssen geschaffen werden.
- Die Vergütungsregelungen bedürfen Klarheit.
Außerdem sollten Ausbildungsberufe attraktiver werden, um langfristig Personal zu sichern.
Finanzielle Engpässe: Honorar, Skonti und wirtschaftlicher Druck
Lüder kritisiert die aktuelle wirtschaftliche Lage der Apotheken. Das Honorarmodell ist zu knapp bemessen. Das Honorar wurde zuletzt auf nur 9 Euro angehoben.

Eine weitere Belastung ist das 2024 gerichtlich ausgestaltete Skontoverbot zwischen Apotheken und Großhandel. Der Koalitionsvertrag sieht eine Aufhebung vor. Bislang ist die Umsetzung jedoch auf Eis gelegt.
Konkrete Forderungen zur Entlastung
- Wiederzulassung von Skonti, um Verhandlungsfreiheit zu ermöglichen.
- Faire Vergütung für neue pharmazeutische Leistungen.
- Gezielte Förderprogramme für Apothekenübernahmen.
Bundespolitik und unmittelbare Folgen für Praxen
Viele Entscheidungen in der Gesundheitspolitik werden auf Bundesebene getroffen. Lüder sieht dadurch Unsicherheiten für Land und Kommunen.
Beispielhaft nennt sie das kürzlich beschlossene GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Die Folgeeffekte sind noch nicht voll abschätzbar. Ähnlich diskutiert wird die Abschaffung der Telefon-AU und die Möglichkeit der Krankschreibung ab dem ersten Tag.
Ärzte äußern hier teils Bedenken. Unklar ist, wie sich diese Änderungen auf Praxisorganisation und Wartezeiten auswirken werden.
Maßnahmen, die Lüder auf Landesebene anstrebt
- Engere Abstimmung mit Bund über GKV-Reformen.
- Unterstützung für Praxen und Apotheken bei Umsetzung neuer Regeln.
- Förderung regionaler Konzepte zur Sicherung der medizinischen Versorgung.











